Wir möchten Sie einladen, solche Bewegungen des Anschauens, Denkens und Fühlens mit zu vollziehen. Der Sänger, Performer und Wissenschaftler Walter Siegfried führt modellhaft vor, wie die alte Wunderkammeridee auch das Gedankenspiel eines Menschen des 21. Jahrhunderts anregen kann. Im anschließenden informellen Gespräch können Sie Ihre persönlichen Wahrnehmungen, Assoziationen und Gedankenflüge gemeinsam mit Walter Siegfried, Beatrice Voigt und den anwesenden Gästen weiterweben.


Walter Siegfried

Sänger, Performer, Wissenschaftler


Walter Siegfried promovierte 1977 an der Universität Zürich in der Fächerkombination Psychologie, Kunstgeschichte und Philosophie. In der Dissertation hat er, vom ausdruckspsychologischen Standpunkt aus, die Bewegungen des Menschen im Raum befragt. Die gleiche Frage konnte später aus biologischer Sicht gestellt werden, nämlich in der Forschungsarbeit über: Aesthetik als Verhalten - am Modell des menschlichen Tanzes (am Max Planck Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen). Das Resultat der Arbeit war - neben ihrer Publikation in: Beauty and the Brain, Birkhäuser, Boston, Basel 1988 - die Einsicht, die parallel zur Wissenschaft angefangene künstlerische Tätigkeit fortan ins Zentrum zu stellen.


Mit den "Stadttänzern" (1987) fragt er weiter nach Bewegungen und Klängen, jetzt aber mit Aktionen im aktuellen öffentlichen Raum. Dann entstehen mehrere "Kompositionen für Spaziergänge" und später "Situative Gesänge" etwa im Pilotprojekt Gropiusstadt mit Christian Hasucha in Berlin 2003 oder im Umfeld von Teutopia (Atelier van Lieshout) auf dem Olympiaberg in München 2004. In RUFEN (einer Arbeit mit Frank Helfrich für die öffentlichen Räume des Gasteig Kulturzentrum, München 2005) hat er seine "Situativen Gesänge" zu einer mobilen Gesangsskulptur für mehrere SängerInnen erweitert. Eine zweite Werkgruppe bilden seine performativen Vorträge - etwa das Auftragswerk "Zwischen Verwilderung und Barbarei" für die Internationalen Schillertage in Mannheim 2007 oder "Ethical Considerations Concerning Prenatal Diagnosis" für einen Kongress von Glaxo im Kloster Seeon. Nach Abschluss des "Rollatorenkonzertes" arbeitet er weiter am "Computer Aided Memory", das jetzt als Basis für Vorträge fungiert - zuletzt für "Die Lust des Laien am Épaulement" im Rahmen der unmöglichen Enzyklopädie an der Bayerischen Staatsoper.


Siegfrieds Arbeiten wurden gefördert und ausgezeichnet von Philip Morris und Pro Helvetia, vom Siemens Kulturprogramm, von der der Landeshauptstadt München und dem Aargauer Kuratorium.


Studiolo21


studiolo21 knüpft an die Tradition des Renaissance-Studiolo an und verbindet Kunst in

Beziehung zu Natur und Wissenschaft zu einem Topos der Wahrnehmung und animierten

Reflexion. Als Ort der Inspiration und des Dialogs eröffnet studiolo21 Möglichkeitsräume zur

Brückenbildung scheinbar getrennter Lebenswelten und wird so wirksam als interdisziplinärer Denk-

und Erfahrungsraum zur Entfaltung integrativer Sichtweisen sowie zur praxisorientierten Ideen- und

Gestaltfindung gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Technik und Kultur.


Beatrice Voigt Kunst- und Kulturprojekte


Beatrice Voigt war als Übersetzerin in den Bereichen Geisteswissenschaft und Wirtschaft

tätig, bevor sie 1988 eine Galerie und Edition für zeitgenössische Kunst in München gründete.

Seitdem entwickelt und realisiert sie als freie Kuratorin spartenübergreifende Kunst-,

Kultur- und Bildungsprojekte zur Neuorientierung des Menschen in seiner Lebens- und

Arbeitswelt. Damit verbunden ist die Konzeption und Durchführung von Konversions- und

Innovationsprozessen ausgehend von einem ganzheitlichen Verständnis von Innovationskultur. Im

Mittelpunkt steht dabei das nachhaltige Zusammenwirken von Mensch, Natur und Technik im

im Sinne einer „Schöpferischen Ökologie“ sowie der lebendige interkulturelle Dialog zwischen Kunst,

Wissenschaft und Gesellschaft.


©Beatrice Voigt Kunst- und Kulturprojekte, München 2009 www.bea-voigt.de




studiolo21-atmosphären:

Ein Wunderkammergedankenspiel

mit Walter Siegfried


Zeit: 14. Mai 2009 20 Uhr - Studiolo geöffnet ab 19 Uhr, Nachklang bis ca. 23 Uhr

Ort: Studiolo21, Beatrice Voigt Kunst- und Kulturprojekte, Franz-Joseph-Str. 21, 80801 München

Teilnahme: Kostenbeitrag 20 Euro – Anmeldung erforderlich!

Anmeldung: Tel 089 - 340010 · Fax 089 – 340017 Email info@bea-voigt.de

Einladung


Im ursprünglichen Studiolo der Renaissance waren wichtige Dinge auf engem Raum versammelt. Es war ein Zimmerchen mit Preziositäten und Raritäten von Adligen, das nur ausgewählten Gästen zugänglich war. Es war oft fensterlos, konzentrierte so die Aufmerksamkeit auf die Sammlerstücke und deren Studium. Die Objekte aus Natur, Kunst und Wissenschaft waren in Schränken geborgen und wurden erst zur Betrachtung herausgenommen. Einmal auf dem Tisch, betrachtete man die Sachen genau, tauschte Gedanken und Assoziationen aus, holte beschreibende Texte und Bilder dazu, stellte durch einen ähnlichen Gegenstand oder eine Grafik neue Ordnungen her. Ein spielender Umgang mit dem Vorhandenen.

Foto © Regine Koerner 2009