alte arbeiten

Einigen Lebewesen ist die Welt gegenständig geworden, das Andere trennte sich vom Eigenen. Zwischen sich und die Welt schoben sie das Instrument, das Werkzeug, ein erstes Objekt.

Mit solchen Werkzeugen begannen sie die Natur zu bearbeiten und bauten Selbstgemachtes ins Vorhandene. Diese selbstgebaute Objektwelt ist dem Menschen zur sekundären Natur geworden und überzieht unseren Planeten.

Zunächst war der Bau eine Nische, eine Bresche, eine Lichtung inmitten der wuchernden Natur. Inzwischen wuchert er selbst, produziert fortlaufend neue Objekte und Unmengen von gefährlichen Abfällen.

Die Verwendung und Verwandlung der vorhandenen Materie hat zwar zu interessanten Produkten geführt, aber man hat nicht an die Nebenprodukte gedacht und auch nicht an die Verwesung der neuen Produkte.

Wir produzieren und kreieren, wir setzen permanent neue Dinge in die ohnehin schon überfüllte Welt, ohne daran zu denken, dass all diese Dinge Raum verstellen. Zudem verrotten sie meist in gefährdender Weise oder müssen mühsam konserviert werden.

Diese Produktionswut hat auch vor den Künstlerwerkstätten nicht halt gemacht. Zwar wurden in diesem Jahrhundert [scil. dem 20.] viele Versuche gestartet, das Prozesshafte der Kunst zu betonen und das Werk in den Hintergrund zu stellen. Aber immer noch werden nicht die Künstler und ihr Tun unterstützt, sondern man kauft die - oft armseligen - Spuren dieses Tuns zusammen, stellt sie als Werke in Museen oder handelt mit ihnen als Wertpapieren.

Das ‚objet trouvé‘ unterstreicht einerseits die Weigerung der Künstler, neue Werke herzustellen, indem es zeigt, wie durch einen veränderten Zugang auch dem alltäglichen Gegenstand durchaus ästhetische Qualitäten zugeordnet werden können. Paradoxerweise hindert es aber dieses Objekt daran, den gewöhnlichen Verfallsprozess zu vollziehen, indem es in den Kreis des zu Erhaltenden aufgenommen wird. Was zwischen Kunst und Leben vermitteln wollte wird konserviert - EINGEMACHT.

Will man diesem Einmachen entgehen, muss man möglichst spurlos arbeiten: Ein zufälliges Publikum sieht in einer vertrauten Situation eine geplante Aktion, die auf die situativen Elemente eingeht, ohne diese Elemente zu verändern. Der Künstler drückt nicht mehr aus, er zeigt sein Eingedrücktwerden: PRESSIONISMUS.

La situation trouvée - Thesen zum Stadttanz - November 1986

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