Zwischen Setzen und Besetzen

Ortsbezüge in Tanz, Kunst und Performance

 

Orte sind unterfüttert von einer Fülle von Bedeutungsnetzen. 'Ortsbezug' kann dadurch jeweils ganz Unterschiedliches meinen, je nachdem auf welche Bedeutungsschicht des Ortes Bezug genommen wird. Es geht dabei um die Frage, zu welchem Ganzen gehörig das in 'Ortsbezug' zu Setzende verstanden wird.

Schnell verdeckt ein zu markant gesetzter Ortsbezug andere mögliche Bedeutungsnetze - durch Setzen wird dann besetzt. Diese Gefahr besteht besonders im Bereich der klassischen Raumkünste: Architektur, Skulptur und Malerei. Hier gilt das Gesetz "Wo eines Platz nimmt muss das andere rücken". Zeige ich den einen Ortsbezug, verdecke ich einen anderen so lange, bis die Strukturen des ersten Verweis-systems zerfallen oder weggeräumt werden. Tanz und Musik - Zeitkünste - sind da weniger problematisch, weil sie Räume nur für die Dauer ihres effektiven Vollzuges deuten und besetzen.

Die drei im Untertitel genannten Felder - Tanz, Kunst und Performance - repräsentieren zum Thema Ortsbezug je verschiedene Haltungen, die im Vortrag miteinander ins Spiel gebracht werden. So steht im Tanz das Schaffen von einem Ort im Vordergrund - vom Erstampfen einer geeigneten Fläche bis zum Aufbauen von bewegten zwischenmenschlichen Raumgefügen. Im Bereich der Kunst gilt es, die Frage nach der Grenze zwischen Kunstwerk und Ort genau zu befragen. Im Zentrum der Performance steht von Anfang an der agierende menschliche Körper, der schon durch seine Tektonik aber auch durch seine Sinnlichkeit und sein Denken Ortsbezüge der unterschiedlichsten Art herstellen kann.

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